
So, der Jahreswechsel ist vollzogen und diesmal lief alles ein wenig anders als die letzten Jahre. Feiern fernab der Verlobten, dafür mit nur zwei Freunden, die ganze Nacht die beste Musik der Welt, keine Raketen und Böller und trotzdem klebrige Schuhe. Die Rede ist von meiner Fahrt nach Amsterdam zur Qountdown, der Party, die ich zu Silvester wohl nur ein mal erleben werde.
Abfahrt
Meine Silvesterfeier startete sozusagen bereits am 31.12. um 12:30 Uhr. Also Mittags. Da kamen nämlich Björn und Flo zu mir und ich packte meine Siebensachen zusammen: Handtuch, Naschkram, Kippen, Brötchen, Deo, Geld und 4,5 Liter leckeren Energydrink. Gut, vielleicht waren noch ein paar andere Sache in meinem viel zu schweren Rucksack, aber ich wusste ja: Ich muss ihn nicht weit und lange tragen.
Ich verabschiedete mich von meiner Kleinen und wir gingen zusammen zum U-Bahnhof Alter Teichweg, der direkt vor meiner Haustür liegt. Dort angekommen, kam auch die U1 ziemlich gleich und brachte uns in wenigen Minuten zum Hauptbahnhof Süd, von wo es zu Fuß weiterging zum ZOB. Bis hierhin war alles ziemlich analog zur Fahrt zur Qlimax 2007. Von nun an hieß es warten. Und zwar auf den Bus von Feierreisen, der uns nach Amsterdam bringen sollte.
Nach endlosen wirkenden 40 Minuten nach dem eigentlichen Abfahrtstermin und inzwischen drei verhafteten “Kleiner Feigling”-Imitaten kam er dann auch und wir stiegen ein. Leider konnten wir drei nicht zusammen sitzen und somit setzte ich mich neben ein Mädel, das den weiten Weg aus Büsum nicht gescheut hat und sich am Vortag dazu entschieden hat, noch mitzufahren. Zu ihr aber später noch mehr.
Im Bus herrschte die ganze Fahrt über gute Stimmung, was nicht zuletzt bei einigen auch am Alkohol gelegen haben dürfte. Direkt rausgestochen hat in Sachen gute Laune die Gruppe Dänen, die mit im Bus saß und sicher schon etliche Stunden darin verbracht haben dürfte. Unser Fahrbarer Untersatz kam schließlich aus Flensburg, fuhr dann über Rendsburg und Neumünster und holte uns zum Schluss aus Hamburg ab.
Alkohokische Getränke, die sich in Form einer Wodka-Dusche auch auf meiner Hose und später noch auf meinem Rucksack wiederfanden (nein, ich war nicht selber Schuld), waren also überall zu finden und ich denke, das waren nicht die einzigen Substanzen, die sich im Gefährt unserer Wahl wiederfanden. Das bestätigte sich spätestens, als ich irgendwo im Bus (ähem…) sah, dass ein wenig Pep im Umlauf und später in den Nasen diverser Leutchen war. Na ja, meinetwegen. Mir genügte der nicht allzu kalte Berentzen Saurer Apfel, den wir uns kurz vor der Holländischen Grenze noch gekauft haben, um heiter zu werden.
Gegen 20:30 Uhr standen wir dann fröhlich feiernd und mit nach wie vor aufgedrehter Musik im Bus vor dem Stadion des Fußballvereins Ajax Amsterdam und der Busfahrer sowie unser Busbegleiter schienen ein wenig verwirrt, weil dort niemand zu sehen war. Also fuhren wir weiter, auf Parkplätze und in Straßen, drehten um, fragten nach dem Weg… Nur um dann da zu landen, wo wir bereits 20 Minuten vorher bereits gestanden haben; nämlich vor dem Ajax Amsterdam-Stadion! Dort wurden wir dann auch rausgelassen und obwohl unser Busbegleiter noch meinte, dass wir noch ein Gruppenfoto machen wollen, sind eigentlich alle (einschließlich uns) schon mal losgelaufen in Richtung der Halle mit den drei großen roten Sternen an der Wand, der Heineken Music Hall. Warum wir losgelaufen sind? Weil wir schon deutlich zu spät dort ankamen. Um 20:00 Uhr war schließlich schon Einlass.
Ich hatte im Vorwege bereits Kontakt zu Dennis aufgenommen, der vor einiger Zeit mit seiner Familie nach Amsterdam gezogen war und nun dort arbeitet und lebt. Er meinte, er wohne grade mal zehn Fahrrad-Minuten von der Heineken Music Hall entfernt und somit trafen wir uns vor der Halle. Leider war es ein kurzes Treffen, da wir ja schon recht spät dran waren. Schönen Gruß und gute Besserung an dieser Stelle an Dennis und seine Familie.
Showtime
Dann ging es in den üblichen Gittergängen mit Schlachterei-Charme durch die Sicherheitskontrollen und schließlich in die Halle. Von drinnen schallte uns schon ziemlich kräftig Musik entgegen. Diese kam vom kleineren, dem “Rabo Meet & Greet” Floor, wie wir nach kurzer Zeit feststellten. Schnell noch Geld gegen Tokens getauscht, die Jacken an der Garderobe (kostenlos) abgegeben und ab auf den Mainfloor. Dort war schon Fausto seit fast einer halben Stunde beschäftigt, die Menge anzuheizen.
Auf dem Mainfloor, der in Sachen Größe dem Gelredome in Arnhem deutlich nachsteht, verbrachten wir fast die ganze Nacht. Hin und wieder gingen wir mal raus und erfrischten uns meist mit Wassereis. Das kostete nur einen Token (etwa 1,40 €) und man hat das Gefühl, etwas zu trinken und zu essen. Sehr praktisch.
Die Lightshow war OK. Nach und nach wurden immer weitere Lampen und die Laser eingeschaltet, wie ich das auch von der Qlimax bereits gewohnt war. Allerdings in deutlich kleinerem Umfang und es wirkte auch nicht ganz so koordiniert und auf die Musik und DJs abgestimmt wie bei der Qlimax. Nichtsdestotrotz hat es Spaß gemacht, zuzuschauen und das mitzuerleben. Eine vergleichbare Show gibt es hier in Norddeutschland einfach nicht. Der Time Tunnel und die Hardstyle Germany sind zwar auch genial, showtechnisch bieten beide Veranstaltungen aber eher wenig.
Um ca. 23:45 Uhr beendete Haze dann sein Liveset und MC Ruffian übernahm wieder die Kontrolle. Leider war vieles auf Holländisch, sodass wir ihn nicht verstehen konnten, aber wir hörten heraus, dass jetzt der Countdown (oder auch Qountdown) beginnen sollte, um das alte Jahr 2008 zu beenden und das neue Jahr 2009 zu beginnnen. Zunächst lauschten wir dann der “Ansagerstimme”, die einen Zusammenschnitt des letzten Jahres ankündigte. Auf der großen Leinwand wurden dann alle Events, die Q-Dance veranstaltet bzw. an denen sie mitgewirkt haben, noch einmal präsentiert. Angefangen bei der X-Qlusive, über Tomorrowland und Defqon.1 bis zur Qlimax waren alle großen Events mit von der Partie. Das Video dauerte ca. zehn Minuten und anschließend kam der Moment, dem die ganze Halle entgegenfieberte: Das Herunterzählen bis zum Jahreswechsel.
“10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1… Happy New Year!”
So schallte es aus dem Lautsprechern und auf der Leinwand stand in riesigen Lettern “2009″ geschrieben. Dazu bretterte die Anlage dann bereits wieder mit dem Titel “Nobody said it was easy” von Evil Activities los und die Menge tobte. Ein sehr geiles Gefühl und so ziemlich die beste Möglichkeit als Fan der härteren Gangarten der elektronischen Tanzmusik sein Silvester zu feiern! Ein wenig Feuerwerk in Form von Vulkanen und ein paar Knallern gab es auch noch dazu. Direkt im Anschluss kam auch schon die Ansage, die Deepack als nächsten und vor allem ersten Act im neuen Jahr ankündigte. Hier ging es wieder ordentlich zur Sache. Generell hatte ich das Gefühl, dass die Anlage noch mehr Power und Druck hatte als die auf der Qlimax. Das kann aber auch an der deutlich kleineren Halle gelegen haben.
Der weitere Verlauf des Abend ergab zumindest was die Lightshow anging keine weiteren Überraschungen. Außer einer vielleicht: Mitten im Set von The Prophet und Frontliner fiel scheinbar der Rechner aus, der die Lichter steuerte. Auf einmal standen alle derzeit leuchtenden Elemente still und strahlten in die gleiche Richtung. Das Spektakel hielt etwa eine viertel Stunde an und wurde dann doch wieder unter Kontrolle gebracht. The Prophet ließ sich unterdessen nichts anmerken und drückte weiter sehr geniale Hardstyle-Tracks in die Menge.
Laut offiziellen Lineup sollte ursprünglich auch noch Zatox einen Auftritt bekommen. Dieser fiel jedoch offenbar aus, weshalb The Prophet und Frontliner sowie die Alpha² mit Ran-D und B-Front jeweils anderthalb Stunden lang auflegten. Den Abschluss machte dann Luna zusammen mit Dutch Master. Erfahrungsgemäß beendet immer ein Hardcore-DJ die Q-Dance-Events, weshalb es mich etwas verwunderte, was Luna dann an dieser Stelle sollte. “Na ja, egal” dachte ich mir und ich wurde nicht enttäuscht. Die letzten Minuten vergingen dann wie im Flug mit diversen Hardcore-Titeln, die Dutch Master unters Volk mischte.
Schlussendlich kam das Outro in einer Ansprache, dass nun der beste “Closing track of 2008″ gespielt werden würde. Und wie sollte es anders sein, es war erneut “Nobody said it was easy”. Dazu wurde noch einmal alles aufgerissen, was die Light- und Soundanlage hergab, die fünf Laser flackerten in allen erdenklichen Formen und erhellten die Halle in einheitlichem grün. Dann kam der zweite Moment, auf den die noch anwesenden gewartet hatten: “This was a Q-Dance event. Q-Dance!” dröhnte aus den Boxen, das Q-Dance-Logo erschien auf dem Bildschirm und das typische Geräusch ertönte. Ruffian sagte dann noch etwas wie “Wir wollen noch nicht nach Hause gehen” auf disch, aber dann war auch Schluss.
Wir hatten während des letzten Sets bereits unsere Pullis geholt und machten uns nach diesem furiosen Ende auf den Weg nach draußen. Dort hieß es dann… warten. Und das etwa eine halbe Stunde. Erst dann kam unser Bus überhaupt wieder und wir mussten bei Minustemperaturen draußen stehen. Sehr unschön.
Die Rückfahrt selbst war recht unspektakulär. Einzige Ausnahme bildete dort meine Sitznachbarin, die der Meinung war, vor der Deutschen Grenze noch eine Pille vernichten zu müssen. Dadurch war sie leider dermaßen hibbelig und hat sich auf dem Sitz gefühlte 10.000 mal umgedreht und die gesamte Rückfahrt geredet, sodass ich nicht zur Ruhe kam. Später kamen von hinten dann auch noch “Deine Mudder”-Sprüche, die ich absolut nicht leiden kann.
Fazit
Tja, das Fazit fällt etwas durchwachsen aus. Leider gab es zu wenig Sitzmöglichkeiten, da die einzige Tribüne fast immer komplett besetzt war und es im restlichen Bereich keine echten Stühle oder Bänke gab. Auch war es sehr dreckig. Getränke wurden in offenen Plastikbechern ausgeschenkt, die natürlich bei jeder Bewegung überschwappten und zudem einfach auf den Boden geworfen wurden. An manchen Stellen musste man schwer aufpassen, dass man nicht ausrutscht, an anderen klebte man sofort fest. Nicht sehr schön, gehört dort aber wohl zum Standard und ließ die Stimmung nicht sinken.
Die Organisation der Fahrt fand ich von Feierreisen.de allerdings nicht optimal. Der Bus kam zu spät, hat sich in Amsterdam vermeintlich verfahren, wir kamen zu spät dort an und auch die Rückfahrt traten wir verspätet an, nachdem wir in der Kälte warten mussten. OK, das kann auch am Busfahrer gelegen haben, aber die Frage vom Busbegleiter an uns, ob wir denn wüssten, wo der Bus steht, fand ich etwas… überflüssig.
Trotz dieser unschönen Situationen gab es an der Veranstaltung selbst nichts auszusetzen. Zumal es kaum eine aufregendere Möglichkeit geben dürfte, das neue Jahr zu beginnen. Die Musik war großartig, die Stimmung ebenfalls. Der Dresscode verlieh der Q-Dance-Gala ein gewissen Stil, den ich so auf anderen Parties noch nie erlebt habe. Ich werde trotzdem wohl nicht wieder hin fahren, da ich Silvester doch lieber mit Steffi verbringe. Es war dennoch ein unvergessliches Erlebnis, das ich auch entsprechend in Bildern festgehalten habe (siehe unten).
Vielen Dank noch mal an meine Süße für die Karte als Geburtstagsgeschenk. Hab mich riesig gefreut und es war insgesamt ein super Erlebnis, das man einfach mal mitgemacht haben muss.
Lineup
Mainhall
- 21:00 – 22:00 Fausto
- 22:00 – 23:00 Noisecontrollers
- 23:00 – 00.00 Haze
- 00:00 – 01:00 Deepack
- 01:00 – 02:00 Headhunterz
- 02:00 – 03:00 Technoboy
- 03:00 – 04:30 The Prophet & Frontliner
- 04:30 – 06:00 Alpha² present Ran-D & B-Front (A² Records)
- 06:00 – 07:00 Luna & Dutch Master
Rabo Lounge
- 20:00 – 21:45 Gizmo
- 21:45 – 23:30 Zenith
- 23:30 – 01:15 Pavo
- 01:15 – 03:00 Clive King
- 03:00 – 04:45 Trilok & Chiren
- 04:45 – 06:00 Dana
Fotos
Videos
Lageplan
Heineken Music Hall Amsterdam / NL

















































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