Krankenhausaufenthalt | 29.04.2009

Hospiten Bávaro

So, ich muss doch ein wenig vorgreifen. Eigentlich wollte ich chronologisch vorgehen, doch das, was die letzte Nacht passierte, muss ich jetzt schon loswerden.

Alles fing damit an, dass meine frisch angetraute Frau Steffi gestern Abend gegen 22 Uhr (also 4 uhr morgens Deutscher Zeit) meinte, dass ihr Bein weh tat. Eine Art pulsierender Schmerz mit dem Rythmus des Herzschlags etwa. Poch, poch, Pause… Poch, poch, Pause… usw. Nun gut. Sie schlief ein und wurde gegen 1 Uhr Nachts wach, weil die Schmerzen stärker wurden. Wir wurden etwas unruhig, was wir nun tun sollten. Also riefen wir Ihre Mutter eine Stunde später an und schilderten Ihr das Problem (sie ist Ärztin in Hamburg). in der Zwischenzeit hatten wir im Internet – Netbook sei Dank – schon einmal nach “Trombose” gegoogelt, konnten aber natürlich nicht wirklich identifizieren, ob es das nun wirklich ist oder nicht. Steffis Mutter riet uns dann, zum 24-Stunden-Doktor hier auf dem Hotelgelände zu gehen. Dort angekommen bekam Steffi direkt erst einmal eine Infusion mit Kochsalzlösung und Diclofenac gespritzt. Beim Legen des Zugangs wurde mir auch direkt übel und ich musste erst mal frische Luft schnappen. Nach ein paar Minuten ging es mir dann wieder besser und ich holte unsere Unterlagen und einigen Kram aus unserem Zimmer, da die Ärztin meinte, dass wir ins Krankenhaus fahren werden.

So hatte ich mir meine Flitterwochen nicht vorgestellt, aber was nützt das schon? Also alles eingeladen und ab in den Krankenwagen… Oder besser: Transporter mit Metallgestänge als Liege. Nicht wirklich vertrauenerweckend. Die “zehn Minuten Fahrt” entpuppten sich als hoppelige Achterbahnfahrt von ungefähr 25 Minuten, bis wir an der mit Brettern gegen herunterfallende Trümmer geschützten Notfallannahme ankamen.

Dort wurde Steffi dann aufgenommen und in einen mit Marmor (oder so) ausgekleideten Diagnoseraum geschoben. Nach Stunden des Wartens und einigem gestikulieren erfuhren wir dann, dass der Schmerz wahrscheinlich vom Rücken ausgeht und dass sie die Nacht dortbleiben muss. “Die Nacht” fand ich in der Situation schon fast lustig, da es schon 6:30 uhr morgens und wir seit fast 24 Stunden auf den Beinen waren. Unsere letzte Mahlzeit lag auch schon etliche Stunden zurück.

Unterdessen hatte ich schon bei unserer Reiseversicherung angerufen und mich informiert, wie weiter vorzugehen ist. Ich glaube, die 9 € im Jahr, die wir an die Hanse Merkur versicherung zahlen, rentiert sich sehr schnell. Das Taxi zum Hotel hat schon drei mal so viel gekostet. Und ja, ein wenig Werbung ist an dieser Stelle erlaubt.

Endlich im Zimmer angekommen, hieß es natürlich wieder warten. Wir versuchten ein wenig zu schlafen, was aufgrund des relativ kleinen Bettes schwer zu zweit möglich war. Sie musste wegen der Infusion ja auch auf dem Rücken liegen, wodurch der Platz noch weniger wurde.

In dem Zimmer lag – und liegt wahrscheinlich immernoch – June aus New York, die von einer Qualle “gebissen” wurde. Diese Quallen gibt es hier in der Gegend eigentlich gar nicht und sie sind von Norden her angespült worden. Sie und ihr Mann Danny sind sehr nett und machen das Warten etwas erträglicher, auch wenn im Fernsehen irgendwelche amerikanischen Koch- und Werbesendungen laufen. An dieser Stelle auch noch mal “Gute Besserung” an sie.

Nach einigem hin und her mit den Schwestern und meines glücklichen Fundes einer Deutschen, die dort scheinbar viel zu sagen hat, bekam Steffi auch endlich ein kleines Frühstück. Das war um 11 Uhr allerdings ziemlich spät angesetzt. Ich ging mit Danny in die Cafeteria und genehmigte mir eine leckere *würg* Coke Light und ein Snickers Almond zum Frühstück.

Dann fuhr ich mit dem Taxi zurück zum Hotel, um mich frisch zu machen und uns ein paar Sachen zur Ablenkung und Verlustigung zu holen. Außerdem brauchte auch ich nach inzwischen knapp 28 Stunden des wach seins etwas Schlaf. Apropos Taxi: Das ist auch sehr abenteuerlich. Warnlampen wie “Motormanagement” und “ABS” schienen den Fahrer ebenso wenig zu interessieren wie Sicherheitsabstände zu anderen Verkehrsteilnhemern. Auch spannend fand ich die beiden riesigen MACK-Trucks, die uns ohne Motorhaube entgegenkamen… Na ja, dominikanisch halt.

Hier bin ich nun also wieder im Hotel und warte bei einer Pina Colada darauf, dass ein Restaurant öffnet. Anschließend fahre ich dann wieder in die Klinik und werde Steffi die Zeit vertreiben.

Wer also auf Abenteuerurlaub steht und gerne mal eine karibische Klinik von innen erleben möchte, dem kann ich nur empfehlen, sich nachts irgendein wehwehchen einfallen und sich ins Krankenhaus kutschieren zu lassen.

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