Letzte Woche Samstag fand unter dem Motto “Return of the Virus” in der Hamburger Markthalle die Infection-NL statt, ein Hardstyle-Event von respektabler Größe, auf dem auch DJ-Größen aus ganz Europa aufgelegt haben. Allen voran sind hier Deepack, DJ Isaac und Charly Lownoise zu nennen.
Damals…
Auch letztes Jahr fand die Infection-NL bereits in Hamburg statt. Dort allerdings in der Alsterdorfer Sporthalle in der City Nord. Von meinem Wohnort aus ein Katzensprung. Tickets sollten – wenn ich mich recht entsinne – happige 35,00 € im Vorverkauf kosten, die einige meiner Freunde und ich allerdings auf uns genommen haben. Schließlich bot das Line-Up einige hochkarätige Gäste und laut offizieller Website waren bereits Wochen vor dem Event 75% aller Tickets ausverkauft. Das konnte ja nur gut werden.
Die Realität sah allerdings anders aus:
Vor der Tür kurz vor Beginn der Veranstaltung waren fast keine Menschen und auch drinnen war nahezu nichts los. Hier und da standen und saßen mal ein paar Feierwütige, aber ein ausverkauftes Event dieser Größe sieht anders aus. Und als dann schlussendlich gegen 1:00 Uhr immer noch nicht mehr Leute da waren und sogar der Sunshine Live Merchandising-Stand wieder abgebaut wurde, waren auch wir bedient. Die Musik war gut, der Sound super, aber die Stimmung fehlte. Fast niemand tanzte und man konnte ohne Probleme direkt bis vor das DJ-Pult gehen, ohne auch nur jemanden anzurempeln. Die Top-Acts, die laut Flyer auflegen sollten, waren leider gar nicht erst erschienen. Jedenfalls nicht so, dass wir sie mitbekommen hätten.
Heute
Mit einer gesunden Portion Skepsis sind Flo und ich dann aber doch noch losgefahren, sodass wir um Punkt 0:00 Uhr vor der Tür der Markthalle standen und unsere Tickets an der Abendkasse für 20,00 € kauften.
Die Markthalle ist stellenweise richtig gemütlich. Man merkt, dass es kein “Techno-Schuppen” ist. In der Mitte des Eingangsbereiches, den man auch als Flur bezeichnen könnte, war auch schon gleich der erste Dancefloor eingerichtet. Die Astra-Lounge, die zur Infection in “Passion Club” umgetauft wurde. Sehr kultig im Stile der 80er Jahre gehalten und als Sitzmöbel dienen hier zwei umgedrehte und aufeinander gestapelte Kisten des Astra-Bieres mit einem Polster obendrauf. Sehr uhrig.
Von dort aus gingen wir direkt in die große Mainhall, wo die Hauptacts des Abends auflegten. Es ging erst einige Stufen nach oben und dann standen wir in der Halle, die auch eine Art Treppe mit ca. 2m tiefen (nicht hohen!) Stufen bildete. Kaum dort angekommen, brach mir direkt der Schweiß aus, obwohl ich mich noch gar nicht groß bewegt hatte. Die Halle kochte und das lag nicht an den übermäßig vielen Leuten, denn auch hier war es einigermaßen übersichtlich. Üble Erinnerungen wurden wach. Die Stimmung war im Gegensatz zum Vorjahr jedoch ausgelassen und es standen auch überall Leute; nur halt nicht so gedrängt, wie man es z.B. aus dem New Bambu oder dem Tunnel kennt. Vernünftiges Tanzen war möglich und DJ Isaac war auch ein guter Einstieg in die Nacht.
Feiern
Nach ca. einer halben Stunde entschlossen wir dann aber doch, mal etwas trinken zu gehen. Als ich dem Barkeeper “Einen Energy-Drink und eine Cola” zubrüllte (es war recht laut um uns rum), zuckte dieser mit den Achseln und meinte, dass es Energy-Drinks nur “da hinten an der Wand” gibt… Wir waren verwirrt und gingen in die Richtung, in die er mit seinem Lappen gezeigt hatte. Siehe da: Dort war tatsächlich ein impovisierter Stand in einer schlecht beleuchteten Ecke der Eingangshalle, hinter dem eine ältere Dame sich damit beschäftigte, Energy-Drinks (T400), Wodka oder auch ein Gemisch aus beidem, jeweils mit oder ohne Eis zu verkaufen. Ein 0,2l-Becher mit dem gelblichen Getränk sollte nur 2,00 € kosten, ein Wodka 1,50 €. Wir schlugen beim alkoholfreien Drink zu und verlangten auch noch jeder einen Eiswürfel. Dieser war bitter nötig und leider innerhalb weniger Sekunden verschwunden, da die Flaschen, aus denen eingefüllt wurde, nicht gekühlt waren!
Gut, der Durst war zumindest erst einmal gestillt.
Nächste Station: Der “In.Fusion Club” (normalerweise “MarX”), den dritten Raum zum tanzen. Dies war der Raucherbereich und es macht sich durchaus bemerkbar, dass in allen anderen Räumen das Rauchen verboten ist. Hier lief man förmlich gegen eine Wand aus Rauch, sobald man die Türschwelle überschritt. Die Musik war etwas technoid und gefiel mir nicht sonderlich. Also verließen wir den Raum nach kurzer Zeit und gingen eine Treppe neben dem Eingang hoch, um uns auch den letzten Dancefloor (“Basslover/Ravers United” genannt) einmal anzuschauen.
Der Bass drückte hier noch mehr als in der Mainhall und die Anlage wirkte, als wäre sie am absoluten Limit ihrer Leistung angekommen, klang aber immer noch gut und begrüßte uns beim Betreten des Raums mit sehr genialen Hardstyle-Klängen. Der DJ-Pult stand ungefähr in der Mitte des Raumes und man konnte drumherum laufen. Hier verbrachten wir die meiste Zeit des Abends und trafen auch noch einen DJ-Freund von Flo, der jedoch nicht mehr auflegte. Wir feierten ausgelassen, mussten uns jedoch alle Nase lang Getränke holen, weil die Hitze ziemlich enorm war. An der Seite war zwar ein Fenster geöffnet, wo man Richtung Hauptbahnhof und Saturn schauen konnte, aber selbst direkt darunter stehend wurde es nicht merklich kühler. Glücklicherweise waren die Getränke ziemlich günstig. 0,3l Cola, Sprite o.ä. kosteten lediglich 2,00 €, wozu noch 1,00 € Pfand für den Becher kamen.
Zwischendurch gingen wir noch einmal runter zu dem kleinen, in die Wand eingelassenen Kiosk. Ich hatte den ganzen Tag außer zwei Scheiben Brot und einem Crêpe nichts gegessen und das rächte sich nun. Ich bestellte uns zwei Capri-Eis und mir noch eine Brezel und war auch hier von den humanen Preisen überrascht. Ich sollte für alles drei lediglich 3,00 € zahlen!
Anschließend war noch einmal die Mainhall dran, da hier Deepack anfing, aufzulegen. Wir blieben einen großen Teil des noch größeren Sets in der Halle und feierten exzessiv mit. Deepack hat eine sehr ausgelassene Art, mit den Zuhörern zu feiern. Hampelt und springt hinter den Turntables umher und verhaut trotzdem keinen Übergang. Äußerst beeindruckend. Die Stimmung wurde durch einige Gogos zusätzlich aufgeheizt und einige der anwesenden Gäste scheinen noch nie eine Frau auf einer Bühne tanzen gesehen zu haben. Eine Traube aus Leuten mit Handys bildete sich um die Bühne und niemand bewegte sich zu den treibenden Beats. Schließlich sollen die Videos und Fotos ja nicht verwackeln – unmöglich!
Abflug
Ca. um 4:00 Uhr morgens verließen wir das Event und Flo brachte mich nach Hause. Vor der Haustür saßen wir noch eine Stunde und unterhielten uns über Filme und allerlei anderen Kram. Mein Fehler war aber wohl, dass ich die ganze Zeit das Seitenfenster geöffnet hatte und die Rechnung folgte prompt am Montag, als ich schon einen leichten aber permanenten Husten verspürte. Mittwoch wurde ich dann auch noch krank geschrieben und ich wusste, was ich am Wochenende gemacht hatte…
Fazit
Mein Fazit über die Infection-NL 2008 fällt überraschend positiv aus: Die Musik war super, es gab einige Highlights der Hardstyle-Szene zu sehen (Charly Lownoise haben wir leider nicht mehr erlebt) und die Preise waren sehr fair. Auch der Eintritt war nicht mehr so unverschämt teuer wie es noch 2007 der Fall war. Das Ambiente wusste zu gefallen und es war nicht so voll, wie ich es z.B. von der Qlimax oder dem Time Tunnel gewöhnt bin. Das verschaffte Platz, um auch selber noch ordentlich zu tanzen.
Zwei Kritikpunkte habe ich aber doch noch:
- Die Hitze! Dort muss dringend was an der Belüftung getan werden. Man hält es irgendwann einfach nicht mehr aus.
- Die Toiletten! Hiervon gab es meiner Meinung nach zu wenige und der gesamte Raum schwamm bereits nach wenigen Stunden. Welche Flüssigkeiten dort auf dem Boden rumschwammen, will ich lieber gar nicht wissen.
Trotzdem sehr gelungen und inwzischen würde ich sogar wieder hingehen. Mein Unbehagen war diesmal nicht berechtigt.
Lageplan
Meine Fotos
Hier noch einmal die restlichen Fotos, die nicht mehr in den Text passten.














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